Wenn Strom und Internet gleichzeitig ausfallen, scheitern E-Mail, Push-Apps und VoIP-Telefonie sofort, weil sie alle eine aktive Internetverbindung auf der Senderseite voraussetzen. SMS läuft dagegen über das Mobilfunknetz, das mit eigener Akkupufferung betrieben wird und von einem lokalen Server oder DSL-Router vollständig unabhängig ist. Ein SMSEagle-Gateway an einer kleinen USV sendet deshalb auch dann noch Alarme, wenn die restliche IT-Infrastruktur bereits dunkel ist.
Warum braucht kritische Alarmierung einen eigenen Kanal?
Anlagen- und Gebäudetechnik arbeitet rund um die Uhr. Kühlräume, Heizungsanlagen, Hebeanlagen, Serverräume und Brandmeldeanlagen erzeugen Störmeldungen zu jeder Zeit, gelegentlich genau dann, wenn Strom- oder Netzunterbrechungen auftreten. In diesen Momenten brauchen die Alarme einen Kanal, der nicht auf dieselbe Infrastruktur angewiesen ist wie die Anlage selbst. Wer Alarme ausschließlich per E-Mail oder Push-App weiterleitet, hat keinen unabhängigen Kanal, sondern einen Kanal, der zusammen mit der Anlage ausfällt.
Welche Alarmkanäle versagen bei Stromausfall sofort?
Die meisten häufig genutzten Alarmkanäle setzen eine funktionierende IT-Infrastruktur voraus. Der folgende Überblick zeigt, wo die Abhängigkeiten liegen:
| Kanal | Benötigt Strom lokal | Benötigt Internet lokal | Verfügbar bei Stromausfall? |
|---|---|---|---|
| E-Mail (SMTP) | Ja (Server, Router) | Ja | Nein, wenn lokaler Router ohne Strom |
| Push-App (Cloud) | Ja (Router) | Ja | Nein, Verbindung zu Cloud-Server unterbrochen |
| VoIP / IP-Telefon | Ja (Switch, Router) | Ja | Nein, VOIP-Trunk fällt mit Internet aus |
| SMS über Hardware-Gateway | Ja (Gateway, USV) | Nein | Ja, solange USV hält und Mobilfunk verfügbar |
| Analoges PSTN-Telefon | Nein (Leitungsspeisung) | Nein | Ja, bei gespeistem Analoganschluss |
Analoges PSTN existiert in Deutschland seit der Umstellung auf All-IP kaum noch in Neuinstallationen. SMS über ein Hardware-Gateway ist damit der einzige Alarmkanal, der in modernen Gebäuden keine gesonderte Leitungsinfrastruktur voraussetzt und trotzdem unabhängig vom lokalen Netzwerk funktioniert.
Warum SMS das Mobilfunknetz nutzt und nicht das Internet
SMS wird über das SS7-Signalisierungsnetz des Mobilfunks übertragen. Dieses Netz ist physisch und logisch vom Internet getrennt. Das SMSEagle-Gateway baut eine Verbindung über sein integriertes LTE-Modem direkt zum Mobilfunknetz auf, ohne einen Router oder einen Internetanschluss zu benötigen. Eine SMS an einen Techniker verlässt das Gateway also direkt per Funk und erreicht den Empfänger, sobald dessen Handy Netz hat. Auf der Empfängerseite genügt Mobilfunkempfang, kein Datenpaket und keine App.
Praxisbeispiel: Ein Blitzeinschlag in der Mittelspannungsstation eines Gewerbegebiets schaltet alle Verbraucher ab, auch den DSL-Router und den lokalen Server. Das SMSEagle-Gateway hängt an einer USV und sendet innerhalb von Sekunden Alarme an die Bereitschaft, weil es das Mobilfunknetz direkt per LTE-Modem erreicht, ohne den ausgefallenen Router.
Wie lange hält das Mobilfunknetz bei Stromausfall durch?
Mobilfunk-Basisstationen in Deutschland sind laut Branchenangaben typisch 2 bis 6 Stunden akkugepuffert. Größere Kernanlagen werden zusätzlich per Notstromaggregat weiter betrieben, was die Verfügbarkeit erheblich verlängert. Kleine Optimierungs-Stationen in Gebäuden, Tunneln oder Einkaufszentren können kürzer gepuffert sein. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen für die Praxis:
- Für Ausfälle bis circa 4 Stunden ist SMS der standardmäßig verfügbare Alarmkanal in den meisten Versorgungsgebieten.
- Bei längerem Ausfall oder in Gebieten mit geringer Basisstationsdichte empfiehlt sich ein Gateway mit Dual-SIM-Unterstützung (SMSEagle NXS-9750), das zwei verschiedene Netze nutzt und bei Ausfall eines Anbieters auf das zweite Netz wechselt.
- Ergänzend kann ein USV-überwachtes Gateway eine Warnmeldung senden, sobald es auf Akkubetrieb umschaltet. So weiß die Bereitschaft bereits vor einem längeren Ausfall, dass die Infrastruktur angespannt ist.
Was braucht das SMSEagle-Gateway, um bei Stromausfall zu senden?
Das SMSEagle NXS-9700 (4G) verbraucht laut Hersteller-Datenblatt maximal 25 Watt. Damit ist es eines der wenigen Alarm-Geräte, die sich mit einer handelsüblichen USV wirtschaftlich absichern lassen, ohne Server, Netzwerk-Switch und Klimaanlage mitversorgen zu müssen. Eine USV mit 600 VA und einem 7-Ah-Akku hält das Gateway bei typischer Last (circa 12 Watt im Ruhebetrieb) gut 4 bis 8 Stunden am Laufen.
| USV-Kapazität | Akku | Mitversorgte Geräte | Typische Haltezeit |
|---|---|---|---|
| 600 VA | 7 Ah | Nur SMSEagle (25 W max.) | 4 bis 8 Stunden |
| 1500 VA | 9 Ah | SMSEagle + LTE-Router + kleiner Switch | 2 bis 4 Stunden |
| 3000 VA | 2x 9 Ah | SMSEagle + Router + Switch + Thin Client | 4 bis 6 Stunden |
Das Gateway benötigt keinerlei externer Server-Infrastruktur für den SMS-Versand. Alarm-Regeln, Kontakte und Eskalationsgruppen sind direkt im Gerät gespeichert. Auch wenn der Monitoring-Server (PRTG, Nagios, Zabbix) ausgefallen ist, sendet das Gateway Alarme, die über seine eigenen Digitaleingänge oder per Modbus-Polling ausgelöst werden. Eine Übersicht der Anschlussmöglichkeiten zeigt /geraete.
Wie erkennt das Gateway selbst, dass der Strom ausgefallen ist?
Viele USV-Modelle bieten eine USB- oder RS-232-Schnittstelle für NUT (Network UPS Tools) oder APC PowerChute. Das SMSEagle kann per API-Aufruf oder direkt über seinen Digitaleingang informiert werden, sobald die USV auf Akkubetrieb umschaltet. Damit lässt sich eine automatische Alarmmeldung an die Bereitschaft konfigurieren: SMS mit Text wie 'Standort A: Netzspannung ausgefallen, Betrieb auf USV, Akku bei 100 Prozent'. Die Bereitschaft ist also auch dann informiert, wenn kein Monitoring-Server mehr läuft.
Konfigurationshinweis: Im SMSEagle-Webinterface unter Settings > SNMP Traps oder unter Tools > API lassen sich eingehende HTTP-Requests von NUT oder PowerChute direkt als SMS-Auslöser konfigurieren. Ein Ping-Ausfall-Sensor auf die USV-IP genügt ebenfalls als Trigger, wenn die USV eine eigene Netzwerkkarte hat.
Was ist bei der Installation zu beachten?
Damit die Alarmierung bei Strom- und Netzausfall zuverlässig funktioniert, müssen drei Punkte sichergestellt werden:
- Mobilfunkempfang am Aufstellungsort: Das Gateway muss am eingebauten LTE-Modem mindestens zwei Balken Empfang haben. Ein kurzer Feldtest mit einem Handy genügt zur Vorabprüfung. Bei schlechtem Empfang hilft eine externe Antenne (SMSEagle unterstützt SMA-Aussenantenne).
- Eigene USV nur für das Gateway: Teilt das Gateway seine USV mit Servern, Switchen und anderen Geräten, sinkt die Haltezeit erheblich. Eine dedizierte USV für das Gateway ist die sicherere Lösung.
- Regelmäßige Akkuprüfung: USV-Akkus altern. Ein Akku, der vor drei Jahren noch 8 Stunden hielt, hält heute vielleicht noch 3 Stunden. Herstellerseitig empfohlene Akkuwechselintervalle liegen typisch bei 3 bis 5 Jahren.
- Testalarm nach Wartung: Nach jeder USV-Wartung oder Konfigurationsänderung einen Testalarm auslösen und bestätigen, dass die SMS ankommt. Die smsreach-Plattform unter /demo zeigt, wie ein Testalarm konfiguriert wird.
Einen Überblick über die passenden SMSEagle-Geräte für verschiedene Einsatzszenarien finden Sie unter /geraete. Wie eine vollständige Alarmierungskette mit USV-Überwachung, rotierendem Dienstplan und Quittierung aufgebaut wird, zeigt die Plattform unter /plattform. Eine Demoumgebung zum Ausprobieren steht unter /demo bereit.
Häufig gestellte Fragen
Funktioniert SMS noch, wenn das Internet ausgefallen ist?
Ja. SMS wird über das SS7-Signalisierungsnetz des Mobilfunks übertragen, das vollständig unabhängig vom Internet betrieben wird. Wenn der DSL-Anschluss oder der Firmenrouter ausfällt, hat das keinen Einfluss auf den SMS-Versand, solange das Mobilfunk-Modem im Gateway Empfang hat. E-Mail, Push-Apps und WhatsApp benötigen dagegen zwingend eine aktive Internetverbindung auf der Senderseite.
Wie lange funktioniert das Mobilfunknetz bei Stromausfall?
Das hängt von der Netzstruktur in der jeweiligen Region ab. Laut Branchenerhebungen sind Mobilfunk-Basisstationen in Deutschland typisch 2 bis 6 Stunden akkugepuffert. Kleinere Optimierungs-Stationen in Gebäuden oder Tunneln können kürzer gepuffert sein oder bei Netzausfall abgeschaltet werden. Größere Makrozellen und Kernanlagen werden bei längerem Ausfall per Notstromaggregat weiter betrieben. Für kritische Alarme, die auch nach mehr als 6 Stunden ankommen müssen, empfiehlt sich ein Gateway mit SIM-Karten aus zwei verschiedenen Netzen (SMSEagle NXS-9750 mit Dual-SIM).
Was passiert mit dem SMSEagle-Gateway bei Stromausfall?
Das SMSEagle-Gateway fährt fort zu senden, solange es mit Strom versorgt wird. Da es maximal 25 Watt verbraucht, reicht eine kleine USV, um es für Stunden am Laufen zu halten. Das Gateway benötigt weder einen Server noch einen Netzwerk-Switch: Es hat eine eigene Weboberfläche, einen internen Alarm-Scheduler und kommuniziert direkt per Mobilfunk-Modem. Wenn die USV den Strom abschaltet, stoppt das Gateway sauber. Soll die Alarmierung auch dann weiterlaufen, muss die USV groß genug dimensioniert sein.
Reicht eine kleine USV, um das Gateway bei Stromausfall zu versorgen?
Für ein SMSEagle NXS-9700 oder NXS-9750 (max. 25 W) genügt eine USV mit 600 VA und 7-Ah-Akku für typisch 4 bis 8 Stunden Betrieb, ohne weitere Geräte daran zu hängen. Sollen zusätzlich ein kleiner Switch und ein LTE-Router (als Fallback-Internetanschluss) mitversorgt werden, sollte die USV auf mindestens 1500 VA ausgelegt werden. Die Haltezeit ist mit dem USV-Kalkulator des jeweiligen Herstellers genau berechenbar.
Was ist der Unterschied zwischen SMS und einer Push-App bei der Alarmierung?
Eine Push-App (z. B. Pushover, PagerDuty oder eine SCADA-eigene App) benötigt auf der Senderseite eine aktive Internetverbindung zum jeweiligen Cloud-Server und auf der Empfängerseite Datenempfang. Fällt der Firmeninternetanschluss aus, verliert die Senderseite die Verbindung zum Cloud-Server und die Push-Nachricht wird nicht abgesetzt. SMS benötigt auf der Senderseite nur Mobilfunkempfang und auf der Empfängerseite ebenfalls nur Mobilfunkempfang, unabhängig vom Datennetz.
